Leserbrief des Herrn Jütte, ungekürzt

Schule und Bildung

Am Montag, dem 15.12.2014, hat der Rat der Stadt Oelde Beschlüsse zum Haushalt 2015 gefasst. In diesem Rahmen haben die Fraktionssprecher die Auffassungen ihrer Parteien zu verschiedenen Programmpunkten dargestellt. In der Ausgabe vom Dienstag, dem 16.12.2014, hat die Glocke diese Reden teilweise abgedruckt. Dabei spielte an verschiedenen Stellen die Gesamtschule Oelde eine Rolle. Hierzu sind insbesondere von dem CDU-Vertreter, Herrn Drinkuth, Aussagen getätigt worden, die nicht unkommentiert bleiben dürfen.

Herr Drinkuth betonte zunächst, dass es das Bestreben der CDU sei, bei den Sparbeschlüssen nicht eine Gruppe besonders zu bevorteilen oder zu benachteiligen. Die CDU habe das Wohl aller Bürger im Blick und deshalb müssten auch alle Gruppen zu den Einsparungen beitragen. Mit diesen Worten rechtfertigte Herr Drinkuth den Beschluss eines Sperrvermerks über einen Betrag von zwei Mio. Euro, der zur Sanierung und zum Ausbau des Realschulgebäudes verwendet werden soll. Der Sperrvermerk führt dazu, dass diese Summe zunächst nicht zur Verfügung steht. Dieser Beschluss steht im Widerspruch zur Beschlussfassung von vor einem halben Jahr. Wie soll eine Schule aufgebaut werden, wenn die Entscheidungsträger im Abstand von halben Jahren in fundamentalen Fragen ihre Meinung ändern? Verlässlichkeit sieht anders aus.

Im weiteren Verlauf äußerte sich Herr Drinkuth auch zur Zukunft der Gesamtschule. Aus Sicht der CDU soll es eine weitreichende Kooperation zwischen dem ortsansässigen Gymnasium und der Gesamtschule geben, die nach Meinung der CDU auch dazu führen sollte, dass die Schüler der Gesamtschule in bestimmten Bereichen, zum Beispiel im Technikbereich und in der Oberstufe, in den Räumlichkeiten des Gymnasiums unterrichtet werden. Und dann fiel ein Satz, der sich leider weder in der Glocke noch in Herrn Drinkuths Redemanuskript findet, den aber alle bei der Ratssitzung Anwesenden gehört haben: „Das stützt auch das Gymnasium.“

Interessant. Ein Sprichwort sagt, wovon das Herz voll ist, davon läuft der Mund über. Die CDU denkt also, die Kinder der Gesamtschule seien so etwas wie frei verfügbare Verschiebemasse, die nun zur Stützung des Gymnasiums benutzt werden kann. Ob die Eltern dieser Kinder das auch denken? Wir nehmen immerhin knapp 200 Schüler pro Jahrgang auf und die haben alle Eltern. Interessant ist auch, dass die CDU dem Gymnasium eine Bestandserhaltung aus eigener Kraft nicht zutraut, sonst wäre eine Stützung ja nicht notwendig. Ob die Kolleginnen und Kollegen am Gymnasium das auch so sehen ? Eine Kooperation zwischen beiden Schulen, die ich für unumgänglich halte, wird durch ein solches Gerede eher erschwert als erleichtert.

Als Gerede müssen auch die  Einlassungen des Herrn Drinkuth zur räumlichen Unterbringung der Gesamtschule bezeichnet werden. Die Umsetzung dieser CDU-Vorstellungen würden zu illegalen Zuständen führen - eine Gesamtschule ohne Oberstufe, gekürzter Hauptfachunterricht in Technik - und ist organisatorisch aus verschiedenen Gründen, z.B. wegen der Laufwege,  nicht durchführbar. Von Politikern, auch von Kommunalpolitikern, noch dazu wenn sie im Schulausschuss Entscheidungsbefugnisse haben, sollte man intelligentere und sachkundigere Äußerungen erwarten können. Die CDU verfolgt damit keine Politik „für alle Oelder Bürger“, denn die Interessen der Eltern der Gesamtschulkinder werden ja offensichtlich nicht vertreten. Die CDU betreibt Klientelpolitik.

Ich bin kein Politiker. Ich bin Schulleiter. Ich bin nicht einmal Oelder Bürger, ich wohne in einer anderen Stadt. Mein Bestreben ist es, den mir anvertrauten Kindern der Gesamtschule beste Bildungs- und Ausbildungsbedingungen zu verschaffen. Diese Absicht werde ich mit allen mir zur Verfügung stehen Mitteln verfolgen.

Was ist das Bestreben der CDU?                        18.12.2014

M. Jütte          (Schulleiter der Gesamtschule Oelde)

 
 

Kommentare

Zu Artikeln, die älter als 10 Tage sind, können keine Kommentare hinzugefügt werden.

Bemerkenswerte Aussage

Ein ganz bemerkenswerter Satz, den man voll und ganz unterstützen kann: "Von Politikern, auch von Kommunalpolitikern, noch dazu wenn sie im Schulausschuss Entscheidungsbefugnisse haben, sollte man intelligentere und sachkundigere Äußerungen erwarten können."

Autor: Thomas Hillenhaus, Datum: 19.12.2014


 

WebsoziCMS 3.6.1.9 - 006926099 -

Facebook

 

Zuletzt kommentiert

 

Mitglied werden?

Super!  Mitglied werden Mitentscheiden, mitreden, mitgestalten! Unsere Seite für Neumitglieder

 

Counter

Besucher:6926100
Heute:18
Online:1